Dienstag, 10. März 2015

Manchmal krieg ich die K(ilo)rise...

..., manchmal hab ich sie bereits. In einem meiner letzten Posts habe ich festgestellt, dass (Zitat) "aus einem Strich eine Kurve" geworden ist und "die frechen Kalorien meine Klamotten enger genäht" haben. Ich habe mich bei dieser Rechtfertigung erwischt, ein paar Kilo (um genau zu sein 5) zugenommen zu haben.
Aber mal ehrlich: wen sollte das überhaupt interessieren?

Popcorn mit extra Karamell *yummy*

Jeden Tag bin ich im Netz unterwegs, sehe mir andere Fashion- und Lifestyle-Blogs an und ärgere mich in mich hinein. Ich schaue Germany´s next Topmodel und ärgere mich. Ich zappe durch die Werbung, wälze Cosmo und Vogue und ärgere mich... weil ich mal so gertenschlank war wie all diese Models. Und nun nicht mehr.

Es ist nicht so, dass ich mich jetzt schlecht und krank fühle, doch ein klein bisschen wahnsinnig fühle ich mich schon. Wahnsinnig, einfach weil ich feststelle, dass all das, was uns Mädels ringsum suggeriert wird, mich wider Erwarten nicht kalt lässt - und ich mich für meine 5kg mehr beinahe schäme.
Und dabei habe ich kein Übergewicht.

Wenn ich mich im Spiegel sehe, sehe ich seit neustem immer nur ein Bäuchlein. Früher war da keins. Nie-nicht. Auf gar keinen Fall. Ich hab nie zugenommen. Ich konnte essen, was ich wollte. Alle waren neidisch. Das war schön.
Zwar fand ich mich hin und wieder zu dünn (nie zufrieden, ja ja), doch wenn ich ganz ehrlich bin...

Und jetzt passe ich statt in eine 27er Weite nur noch in eine 29. Dazwischen liegt gerade einmal ein Jahr. Manch einer wird jetzt sagen "Die spinnt ja!" und ich würde demjenigen Recht geben. Genau das denke ich mir hin und wieder auch. Und es ist wahr, doch ich habe regelrechte Trotz- und Wutanfälle gehabt, als ich zum ersten Mal in der Umkleide eine Hose anprobierte, die mir entgegen meiner Erwartungen plötzlich gerade noch bis über die Knie ging.

Hinzu kommt, dass überall slim und super slim angepriesen wird. Ich mochte diese engen Hosen noch nie, doch jetzt, wo ich auch nicht mehr rein passen würde... ärgert es mich umso mehr, dass ich nicht so kann, wie ich wollen könnte, wenn ich wollte (bla bla bla). Und wie die Wurst im Darm möchte ich auch nicht aussehen. Solch Röhrenjeans und Co. sehen doch nur an Frau Typ "Bohnenstange" erträglich aus (und vielleicht nicht mal da).
Dass ich mal solche Komplexe auf mich projizieren würde, hätte ich mir gar nicht zugetraut. Klar, solange alles "gepasst" hat, gab es keine Notwendigkeit, an mir zu mäkeln. Und die gibt es jetzt eigentlich auch nicht.

Ich vergleiche mich also mit Idealen, die ich im Grunde weder erreichen will noch muss. Warum dann das Ganze? Es ist kein Übel, eine Frau mir Kurven zu sein und schon gar nicht, eine 38 zu tragen oder eine Hosenweite 29. Es gibt sicher genug, die sich über meine Maße freuen würden. Und während ich hier schreibe und meine Zeilen lese, kommt es mir regelrecht lächerlich vor, mich über meine "neu gewonnene Fülle" zu beschweren, zumal es sich um nicht erwähnenswerte 5kg handelt.
Ich habe schon Bammel vor dem Sommer, wenn ich Bikini tragen soll. Der passt mir wahrscheinlich auch nicht mehr (obwohl ich ihn letztes Jahr erst gekauft habe).

Zu allem Überfluss wurde ich letztens auch noch gefragt, ob ich etwa schwanger sei. So deutlich ist mein Bauch also zu sehen. Wie kann man da nicht wahnsinnig werden?

Was ist das nur für ein unrealistisches Bild von uns, das wir jeden Tag so lange vorgeführt bekommen, bis selbst eine selbstbewusste Frau bei 5kg mehr anfängt, daran zu glauben, dass Gewichtszunahme immer gleich etwas Schlechtes ist.
Diäten gibt es ja zu Hauf, fetter werden wir von selbst.
Und dann soll sich unsereins mit den unzähligen Fitness-Trends und Apps auseinandersetzen, den Weightwatchers beitreten und diverse Fatburner ausprobieren, nur um etwas gerecht zu werden, was so gar nicht gerecht ist. In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich?
Es wird eine Frauenquote in Fürungspositionen geben und wir tun alles, um vermeintliche Gleichberechtigung zu erzeugen, doch wo ist ebendiese,
wenn man die Fashionweeks dieser Welt besucht und die Werbung der Modelabels und Kosmetik-Industrie aufblättert?

Es ist Zeit, die 90-60-90 abzuschaffen und sich von diesem verzerrten Frauenbild zu distanzieren. Schließlich möchte sich doch im Grunde niemand wirklich an solchen "Idealen" orientieren, sondern sich einfach wohl fühlen, ohne unter Druck zu geraten, wenn´s mal ein Eisbecher oder eine Tafel Milka zur Prime Time sein muss. Dieses schlechte Gewissen ist hausgemacht und kommt einzig aus unseren Köpfen. Wir sollten nicht der Schoki sondern dem bösen Bild der Schoki widerstehen. Dem Bild davon, was sie mit unseren Hüften und unserem Bauch macht. Und dem Bild, welches wir dann von uns zu sehen glauben, wenn wir vor dem Spiegel stehen.

Schlimm, dass wir das schon jahrelang vor uns her schieben, obwohl wir uns innerlich so dagegen wehren, um uns letzten Endes doch dem Schicksal zu beugen. Wir greifen uns beherzt in die Fettpolster, formen eine Rolle, pieksen mit dem Finger in unseren Po und murmeln ein verächtliches "Herrje...".
All die Lieb-dich-selbst-Kampagnen schwellen verheißungsvoll an und verebben dann doch bloß am endlosen Strand der schönen, schlanken Träume von Size Zero und Super Small. Und anstatt in die Ritter Sport oder den Triple Choc Cookie beißen wir in die Möhre und schmollen, weil die Modeindustrie uns sagt, dass wir das tun sollen. Und weil die Möhre uns nicht glücklich macht.

Was lerne ich also selbst nach all dem, was ich hier geschrieben habe?
1. dass ich mich so nehmen soll wie ich nun mal bin, auch 5 Kilo schwerer,
2. dass ich so Grund habe, neue Klamotten zu shoppen ;) und
3. dass ich zukünftig auch weiterhin in den Cookie beiße, wenn ich ihn will und in die Möhre, wenn ich sie will. Wenn ich will.

Was lernt ihr daraus?

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