Montag, 13. Juli 2015

Denkmal: das Ding mit der Ehrlichkeit

Ich bin immer ehrlich. Und ich muss mit den Augen rollen angesichts dieser infamen Lüge. So richtig ernst gemeint war das auch nicht. Ich weiß ja, dass ich ein Mensch bin. Andere scheinen das von sich selbst nicht zu wissen. Also, dass das Lügen zum Mensch sein gehört. Dass sie lügen.

Die Idee der sieben Todsünden ist es, den Menschen ihre größten Verfehlungen aufzuzeigen. Klingt alles etwas martialisch, doch es ist wahr. Für alle Unwissenden hätten wir da Hochmut (also Eitelkeit), Habgier ( und Geiz), Wolllust (Begehren in jeder Form), Zorn (oder Wut), Völlerei (Maßlosigkeit oder Selbstsucht), Neid (auch Eifersucht) und Faulheit (auch Feigheit und Ignoranz). Diese Aufzählung mag mittelalterlich und kurzsichtig sein, doch umso aktueller sind all die persönlichen und inneren Zerwürfnisse ihretwegen.
Jetzt wäre wohl der Zeitpunkt, ein Körbchen mit Steinen herum gehen zu lassen für die, die sich selbst frei von all diesen Lastern sehen. Bekäme ich auch nur einen Stein ab, er wäre zu Unrecht geworfen. Ich bin sicher, es würde dennoch einige regnen.

Warum aber? Warum halten wir so viel von uns selbst, dass wir uns nicht infrage stellen. Oder dass wir uns nicht ehrlich reflektieren können, uns eingestehen, dass wir eben nicht frei von diesen Lastern sind? Und uns gut dabei fühlen, ohne Scham, verurteilt zu werden. Und warum kann das Urteil anderer uns nicht egal sein?

Wir können doch nicht ernsthaft glauben, die anderen da draußen seien besser als wir, tugendhafter und ehrlicher. Wir glauben ernsthaft, dass andere nicht faul am Wochenende auf der Couch lümmeln, dass sie nicht lügen und wegsehen und neidisch sind? Dass sie nicht... ich fürchte, die Liste würde endlos werden.

Wir sollten anfangen, ehrlich mit uns selbst zu sein. Es wird Zeit, zu erkennen, dass jeder um uns auch nur ein Mensch ist, nicht besser und nicht schlechter als wir selbst. Jeder liebt seinen eigenen Vorteil, ist missgünstig, gierig, geizig oder feige. Und wir dürfen das auch sein, weil wir Menschen sind. Diese Sünden gehören zu uns, auch wenn sie nicht unsere liebenswertesten Eigenschaften spiegeln. Wir alle kennen den Spruch Das Gras ist nebenan grüner und jeder von uns hat das schon einmal gedacht. Dafür müssen wir uns auch nicht schämen. Jeder, der uns deshalb verurteilt, sollte erst bei sich selbst anfangen. Keiner ist ohne Sünde. Sünde, so´n Quatsch.

Wir kommen alle gleich auf die Welt und gehen ebenso gleich von dieser. In der Zwischenzeit halten wir uns jedoch für etwas ganz Besonderes, für ein Individuum und versuchen, Vollkommenheit in unserem Leben zu erreichen. Ganz ehrlich? Lasst das Gras da drüben doch länger, schöner und grüner sein. Umso öfter muss der Nachbar mähen.

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