Freitag, 10. Juli 2015

Denkmal: das Ding mit der Vorbildfunktion

Ich lese eben einen Post einer Bloggerin bei Facebook und bin sprachlos. Erst mal. Dann bin ich ziemlich wütend und enttäuscht.
Ich lese von einer minderbemittelten Familie, die mit der Aussage Dann geht unser ganzes Geld wieder an diese Flüchtlinge die dann unsere Frauen vergewaltigen geglänzt haben soll. Daraufhin äußerte sich die Bloggerin darüber, dass diese Familie da drei weitere potentiell minderbemittelte Kinder groß ziehen würde. Wieso darf sowas Kinder haben? Sie schäme sich Deutsche zu sein, wenn sie solche Nazis wie sie sähe.

Was auch immer diese Familie für Erfahrungen gemacht hat, wie auch immer sie zu dieser Äußerung gelangte, sei dahin gestellt. Ich kann selbst nur erahnen, wie die Umstände waren und sagen, dass ich die Aussage der Familie in keinster Weise unterstützen kann.
Doch als Bloggerin mit Vorbildfunktion, kann man da so etwas von sich geben? Im Facebook liest so etwas natürlich jeder Follower und es gibt auch sofort Kritik. Nicht unbedingt an der Aussage der Familie, an der der Bloggerin. Auch ich gebe meinen Senf dazu. Und weil die Sache mich echt beschäftigt, schreibe ich jetzt diesen Post dazu.

Als Blogger weiß ich, dass es Leute gibt, die meinen Blog lesen. Die meine Meinung, meine Ideen und Vorstellungen lesen. Das will ich so. Darüber denke ich bei jedem Post nach, den ich schreibe. Nicht, dass ich wirklich glaube, ihr würdet euch an mir orientieren, doch bei den großen, einflussreichen Blogs ist das so. Die Blogger von heute werden angesprochen von Marken, die sich Kooperationen wünschen, weil sie deren Wertvorstellungen und den Stil gut finden. Weil sie glauben, durch den Blogger angemessen repräsentiert zu werden.

Es ist wie damals, als raus kam, dass Peter Lustig keine Kinder mag. Wie kann das sein? Jemand, der sein Geld damit verdient, eine Fernsehsendung für Kinder zu machen, soll keine Kinder mögen? Klingt nach Beschiss und Verrat (entschuldigt den Ausdruck). Der Sender und vor allem Eltern und Kinder hatten Vertrauen in diese Person, liebten den lustigen Onkel und waren treue Anhänger. Nach diesem Outing (da wurde die Sendung bereits neu besetzt) waren alle schockiert, konnten es nicht fassen. So ähnlich ist es hier auch. Vielleicht wird ein Blogger wegen seiner Einstellung/Meinung nicht gleich abgesetzt, doch ein gewisser Vertrauensbruch ist es schon. Man fragt sich zwangsläufig, wem man da eigentlich folgt, wessen Leben man da in das eigene herein streuen lässt. Oder durch welche Person man sich da eigentlich repräsentieren lässt.

Es ist ein schiefer Ton, den man nicht gern hört und den man vielleicht sogar abstellt, wenn es einem gar zu unangenehm wird. Ich sage nicht, dass mir nicht auch gern einmal die verbale Hand ausrutschen könnte, wenn ich solche Aussagen höre.

Erst kürzlich erlebte ich ein ähnliches Ding. Ebenfalls in der Bahn passiert. Ein älteres Paar war Richtung Leipzig unterwegs. Beide unterhielten sich während der Fahrt von Halberstadt nach Halle/Saale, wie schäbig und heruntergekommen die kleinen Orte an der Bahntrasse doch aussähen. Die Ossis haben damals all unser Geld bekommen und wofür? Die müssen sich´s ja gut gehen lassen haben anstatt mal ihre Häuser zu renovieren. Als wir Halle erreichen, stöhnt die Frau. Hoffentlich finden wir bald was Vernünftiges zu Essen. Darauf er Wir warten lieber, bis wir bei Hannelore sind, hier will ich lieber nirgendwo was essen.

Ich dachte, die Zeiten von Ost und West seien vorbei und Diskriminierung von ehemaligen Ostdeutschen (wie mir) wäre aus der Mode gekommen, doch an den beiden offensichtlichen Westdeutschen war das wohl vorbei gegangen. Ich habe mich regelrecht angegriffen gefühlt und war innerlich richtig böse. Woher nahmen sie das Recht, über all das zu urteilen?
Ich schätze, mit dieser Meinung sind die beiden nicht einmal allein und andere denken immer noch ähnlich, vielleicht sogar, obwohl sie die Zeit nie erlebt haben.
Doch will ich mich auf ihr Niveau herab lassen und ebenfalls über sie urteilen?
Will ich ihrem Gerede Raum geben, ihnen erlauben, mich zu beeinflussen und mich so von Menschen wütend machen zu lassen, die mir im Grunde egal sind?

Ich denke, ich stehe über so etwas und muss mich darum nicht mit solchen Leuten aufnehmen. Das dient auch meinem Seelenheil, denn solche Menschen wird es immer geben, egal was man zu ihnen sagt. Ich weiß, dass ich mit deren Meinung nichts zu tun habe und sie nicht teile. Ich werde sie nie wieder sehen und lege darauf auch keinen Wert. Anstatt wütende Äußerungen zu tätigen, sie später aus der Ferne zu beschimpfen, mich damit selbst herab zu würdigen und bei meinen Lesern ebenso wieder Wut und Enttäuschung auszulösen, konzentriere ich mich lieber auf einen neuen Post.
Diesen hier zum Beispiel.

Ich habe die beiden ihrer eingeschränkten Weltsicht überlassen, bin aus dem Zug gestiegen und habe einen angenehmen Tag in Leipzig verbracht. Und ich habe hervorragend zum Mittag gegessen. Das geht nämlich super im Osten ;)

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