Donnerstag, 10. September 2015

Denkmal: #bloggerfuerfluechtlinge ?

Ich wollte hier eigentlich einen Beitrag zum aktuellsten aller Themen schreiben, doch ich finde einfach nicht die richtigen Worte. Ich bin seit Tagen auf der Suche nach ihnen, doch sie wollen sich vor mir verstecken. Sie wollen nicht geschrieben werden, vielleicht weil sie schon überall stehen.

Ich weiß nicht mehr, was ich dazu noch sagen oder schreiben soll. Weder möchte in dasselbe Horn blasen wie alle noch etwas äußern, was einen Shitstorm nach sich zieht. Ich weiß nichts mehr.

Täglich überschwemmen mich Nachrichten, Blogposts und Meinungen über dieses Thema. Ich mag sie nicht mehr aufsaugen, weil ich müde bin. Müde all dieser Dinge, die man hören und lesen muss. Müde all dieser Katastrophen, dieser Hilflosigkeit, der Trauer und Perspektivlosigkeit. Dabei ist in meinem eigenen Leben genug los für zwei. Ich stehe am Rand, schaue zu, schaue hin und möchte einfach nur wegsehen.

Ich sehe im TV gerade zwei Typen in Einhorn-Kostüm, die fünf Löwen erklären, wie sie das Kondome-Kaufen witziger und nachhaltiger machen wollen. Seit Tagen das Erfreulichste, das ich sehe. So erfrischend und ganz weit weg von den Szenarien, die sich abspielen. Keine Verzweiflung, keine Gewalt, nur Amüsanz und ganz viel Gelächter. Wo lacht denn heute noch jemand? Wenn Menschen ertrinken, verhungern und flüchten vor Gewalt, Krieg und Tod?
Hier ist gerade von Wunderwaffen die Rede und da denke ich spontan Die brauchen wir!, eine Wunderwaffe gegen all den Graus in der Welt.
Und während der eine Kerl erklärt, warum ein weites Kondom bequemer ist als ein enges, schweifen meine Gedanken wieder ab. Ich wehre mich regelrecht gegen den Drang, ständig mit meinen Gedanken bei den tragischen Tagesthemen zu landen. Selbst nachdem ich den TV längst ausgeschaltet und ins Bett gegangen bin, beschäftigt mich noch der Horror anderer.

So wunderbar die Idee, dieses Märchen mit dem Einhorn auch war, so erfolglos die Verwirklichung des Modells Wunderwaffe. So ohnmächtig stehen wir da, ohne Plan und System, das tatsächlich greift und funktioniert und das Chaos aufräumt, das immer größer wird über aller Köpfe. Ich halte Ausschau nach dem Tag, an dem kein Hahn mehr danach kräht wie nach allem anderen. Prinzessin Dis Tod, Costa Concordia, der Absturz der Germanwings Maschine, selbst 9/11 trifft nur noch einmal im Jahr ins Schwarze unserer Bildschirme. Katastrophen, menschenverachtend und lebenverschlingend, irgendwann sind sie überwunden und dann wird es wieder still. Bis zum nächsten Mal.

Wenn Modeblogger wieder über Mode bloggen, Leser wieder lesen dürfen, was sie wollen und wo wir nicht mehr in einer verkehrten Welt leben, werde ich zufrieden die Nachrichten einschalten, mir die belanglose Grütze durch´s Hirn rieseln lassen und danach abschalten. Wirklich abschalten. Ohne nachts auf meinem inneren TV das Bild des kleinen Aylan aufleuchten zu sehen, von dem im Netz tausende Fotos rotieren. So rotieren sie auch in meinem Kopf, doch selbst wenn ich helfe, werde ich dieses Bild nicht los. Es zerfrisst mich, bis kein Blogger mehr übrig ist, der über Beauty und Fashion schreiben will. Nur noch ein Mensch, der sich scheiße fühlt. Ich möchte laut Scheiße schreien, doch es würde nichts ändern.
Das wollte ich nur mal loswerden.
Die Sache mit dem Einhorn hat mir besser gefallen.

Kommentare:

  1. toller beitrag

    http://carrieslifestyle.com
    Posts online about Dubai, Provence, South Africa..

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    1. Hallo Carrie,
      danke für dein Kommentar.
      Liebst
      Kali

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  2. Spricht mir aus der Seele und - auch wenn das bei dem Thema nun nicht so wichtig ist - ist einfach ausgezeichnet geschrieben! Kompliment und danke.

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    1. Hallo Katharina,
      lieben Dank für dein Kommentar - und das Kompliment.
      Liebst
      Kali

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  3. Mich macht die ganze Sache auch furchtbar traurig. Ich glaube wenig Menschen die auf Flüchtlinge schimpfen, haben jemals mit einem gesprochen. Ich sammel ehrenamtlich Spenden für das LaGeSo in Berlin und werde wohl auch dieses Wochenende wieder schauen ob in der Schmidt-Knobelsdorfer Kaserne in Berlin-Spandau Hilfe und Spenden benötigt werden. Auch ich habe gehört, dass ich schön dumm bin, weil ich auch privates Geld in die Hand nehme um den Menschen Essen und Schulmaterial zu kaufen, aber viele wissen nicht wie schlecht es den Menschen wirklich geht. Das alles zerfrisst mich auch, aber weißt du woran ich mich halte? Die vielen positiven Erlebnisse, das Kinder wieder lächeln können, dass sie trotz furchtbarer Bilder die sie gesehen haben müssen zu einem kommen, ohne Furcht einen umarmen. Dass die Menschen in Berlin so solidarisch sind und den Menschen helfen, teilweise die eigenen Betten zur Verfügung stellen etc etc. Das Licht dort zu sehen, wo es am dunkelsten erscheint und Kraft zu schöpfen. Man sollte sich aber auch nicht schämen, banale, lustige oder sinnfreie Sachen zu lesen, zu schreiben oder zu sehen. Man muss sich nicht selbst geißeln, man darf glücklich sein :)

    Sorry für meine durcheinanderen Gedanken, auch mich wühlen diese Themen auf.

    Liebste Grüße
    Nesli | things-ilove.de

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    1. Liebe Nesli,
      vielen Dank für dein Kommentar. Gerade das Glücklichsein mit seinem eigenen Leben fühlt sich für mich im Moment schon nach Hohn an. Ich danke dir, dass du so engagiert bist.
      Liebst
      Kali

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  4. Antworten
    1. Liebe Jessy,
      liebsten Dank für dein Kommentar und das Kompliment.
      Liebst
      Kali

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