Montag, 9. November 2015

Als ich ein Kind war...

Das ist nicht so lange her wie ich mir immer einreden will. Vielleicht bin ich innerlich auch noch eins. Doch was einem meist abhanden kommt, sind all die Erinnerungen an diese Zeit. Überhaupt sieht eine Kindheit heute ganz anders aus als früher. So ist das ja irgendwie immer. Jede Zeit hat eben bestimmte Eigenheiten, die die Menschen, die darin leben, prägen. Was hat also mich geprägt und was prägt die Kinder heute?


Bevor ihr anfangt, zu quietschen und Dutziduduuuu zu machen: ja, das bin ich. Und sogar als Kind hatte ich Bücher. Haben Kinder heute noch Bücher?
Als Kind war mir egal, was ich an hatte. Meine Mutter suchte meine Klamotten aus. Darum hat meine Bluse unter dem Pullover einen gerüschten Kragen. Damals hatte ich das Layering aber wohl besser drauf als heute.

Ich habe gern Platten gehört, als ich klein war. Geschichten und Märchen, doch am liebsten hatte ich Musik, zum Beispiel von Phil Collins. Meine Platte No. 1 kam allerdings von den Jackson Five. Ich habe gern getanzt. Später liebte ich Michael Jackson. Das tue ich noch heute.


So in etwa sah es aus, wenn ich auf Musik traf, auch sitzend auf meinem Stuhl. Wer das Foto sieht, wundert sich wohl, dass ich keine Karriere als Dirigent gemacht habe.

Meine Mutter hat mir oft und viel vorgelesen. Ich bekam gar nicht genug von den Märchen, manchmal musste sie mehrmals dieselbe Geschichte vorlesen. Ob Gebrüder Grimm, 1001 Nacht oder 365 Gutenacht-Geschichten, ich liebte sie alle. Ein Buch gab´s mit Gedichten, kleinen Reimen. Die hab ich geliebt und irgendwann selbst vorgelesen, dann auswendig gewusst. Daher war ich wohl in der Schule so ein Gedicht-Junkie und bekam immer eine Eins für´s Rezitieren.


Zu Weihnachten war´s bei uns immer besonders heimelig. Ich war wie irre aufgeregt. Ich bin noch heute ein totaler Weihnachtsfan und muss die Wohnung wie verrückt dekorieren. Wohl, um an die schöne Zeit erinnert zu werden und dieses Glücksgefühl von Geschenken unterm funkelnden, hell erleuchteten Baum. Was ich bekam waren kleine Tiere zum Zoo-Spielen, Brettspiele, Puzzles, später dann Puppen und Matchbox-Autos. Das war meine Leidenschaft. Autos. Ich habe mit meinem Vater oft Fuhrpark gespielt. Jeder bekam eine gewisse Anzahl der kleinen Autos, dann wurde verhandelt und verkauft und getauscht.
Noch später waren Barbies mein Spielzeug No.1. Ich hatte viele... und malte schon mal welche an oder schnitt ihnen die Haare. Mein kleines Pony und Meine Kleine Tierwelt gehörten zu meinen täglichen Begleitern.

Außerdem war ich immerzu draußen. Ich spielte im Sandkasten, backte Matsch- und Sandkuchen, streunte durch´s Gebüsch, kletterte auf Bäume. Oder ich war bei meinen Großeltern im Garten, fütterte die Hühner und Kaninchen, sammelte Regenwürmer. Nein, kein Ihgitt. Aß Möhren und Äpfel und Erdbeeren aus frischester Ernte. Knackte Hasel- und Walnüsse, die unter den Bäumen lagen.
Und auf dem Spielplatz schaukelte ich am liebsten. So hoch ich konnte. Ohne Angst vor einem Überschlag. Und ohne Angst, verschleppt zu werden.


Ich hatte nie einen Gameboy, meinen eigenen Computer bekam ich erst mit 18. Ich kannte kein Internet, keine Smartphones, keine MP3 Player. Ich hatte einen Kassettenrekorder und einen Walkman. Ich hatte lange Zeit nicht mal einen eigenen Fernseher und durfte auch so gut wie nie über das Programm des Gerätes im Wohnzimmer entscheiden. Und wenn doch, sah ich die Peanuts, die Sendung mit der Maus, Pusteblume, die Glücksbärchis, die Feuersteins, die Dinos, Pumuckel oder Sailor Moon. Und den Sandmann, denn als Kind musste man damals ins Bett, sobald der vorbei war.

Heute geht nix ohne Smartphone, WhatsApp und Facebook. Ich habe überlebt ohne all diese Dinge. Ich brauchte sie nicht, ich kannte sie nicht.
Kinder wissen Werte kaum mehr zu schätzen. Sie spielen mit Konsolen statt draußen zu sein. Sie werden überbehütet, da die Eltern nur noch Angst um sie haben. Die Bedrohungen sind überall, darum werden Stubenhocker aufgezogen, die überzogene und unrealistische Vorstellungen von der Realität und der Zukunft haben. Kinder werden in der Schule gemobbt, weil sie keine teuren Klamotten haben, weil sie schlau sind oder einfach anders. Oder sie mobben, weil sie cool sein wollen, ihre Eltern sich nicht um sie kümmern oder weil ihnen langweilig ist.
Ich habe den Wald und Tiere geliebt. Ich war neugierig und wissbegierig, saugte alles auf wie ein Schwamm. Ich spielte im Dreck, hatte Respekt vor Älteren, sagte Bitte und Danke, benahm mich in der Öffentlichkeit, fasste nichts einfach an, war nicht frech oder vorlaut, hatte Fantasie und beschäftigte mich mit Kinder-Sachen.
So sah meine Kindheit aus und ich bin nicht traurig darüber. Ich durfte nicht alles, es gab Regeln und Grenzen und dennoch bin ich ganz brauchbar geraten.
Ich erinnere mich gern. Nicht an alles, doch an das Gute auf jeden Fall.
Kindheit. Eine unbeschwerte Zeit. Und sie kommt nicht wieder.

Eure Kali

English:
My childhood was completely different from those of the children of today. I played outside, my mother read books to me, I loved faitytales und bedtime stories. I played with toys than with smartphones and never had a gameboy. I loved christmas because there was joy and love everywhere. I was excited about the christmas tree, the presents and sweets and everything.
As a child I loved animals and nature and being in the garden with my grand parents.
I was curious and eager for knowledge.
Today´s children just want do have computers and mobile phones and expensive clothes. They don´t have any sense for values. They bully others or are bullied for different reasons like jealousy, boredom or just not accepting otherness.
The children of today make me worry.
Childhood is a time to remember. But it will never come back to us.

1 Kommentar:

  1. Ich quietsche, Kali. Zuckersüß! Und du hast recht, die unbeschwerte Zeit kommt nicht wieder. Vielleicht aber unbeschwerte Momente und die müssen genossen werden.
    Liebst,
    Katharina || ktinka.com

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Liebst
eure Kali P.