Mittwoch, 24. Februar 2016

Denkmal: deutsche Sprache, schwere Sprache

Manchmal bin ich Perfektionistin. Na gut, oft. Eventuell auch häufiger... oder ständig. Dann habe ich unsere regionale Zeitung in Händen und schimpfe über den Korrekturleser, den es vielleicht gar nicht gibt. Ob er Augen im Kopf hat frage ich ihn vor mich hin.
Das passiert mir genau so hin und wieder bei anderen Blogs. Nicht, wenn ich einen Flüchtigkeitsfehler entdecke, der mir Gott weiß auch oft unter kommt. Wenn sie sich häufen, die Fehler, dann fangen Augen und Ohren gemeinsam zu klingeln an.



In der Schule hasste ich es, Fehler zu machen.
Nun ist so ein Schulkind, das gerade erst lernt, kein Genie sonders gleichen und inhaliert Grammatik und Orthographie mit der Klassenzimmerluft. Doch jedes mal, wenn bei meinen Diktaten irgendwas rot angekringelt war, hatte ich meine Schwierigkeiten, mir nicht in die Finger zu beißen. Das ist doch meine Muttersprache, die muss ich doch in- und auswendig kennen ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Bis heute nicht. Darum bin ich ein Pedant allererster Güte in Sachen Deutsch.

Ich gebe zu, ich überlese auch mal einen Fehler, doch erwische ich ihn später, ist er mir so peinlich wie ein Stück Klopapier am Hacken. Dann habt ihr ihn alle schon gelesen (und gelacht). Denke ich mir so. Fragt mich nicht.
Aber nun zu dem eigentlichen Ding.
Ich entdecke hin und wieder Blogs auf meinen Web-Streifzügen, die kann ich nicht lesen. Nicht mit offenen Augen zumindest. Ich möchte zu bedenken geben, dass gutes und richtiges Sprechen leichter ist als Schreiben, man mag es kaum glauben. Ein falsch ausgesprochenes Wort kann man vertuschen, ein falsch geschriebenes eher schlecht. Darum weine ich zuweilen bitterlich, wenn gut gemeinte Blogeinträge durch die Hände von, sagen wir Deutsch-Vierer-Schülern zu einem Lese-Labyrinth werden.
Ich kann den quälenden Mitteilungsdrang verstehen, den manche verspüren, doch einen grottenschlechten Post mit beschissenem Ausdruck kann man nicht unter kreativer Freiheit oder eigenwilligem Stil verbuchen... oder damit entschuldigen. Komma-Fehler bringen selbst den leidgeprüftesten Deutschlehrer zum Stolpern. Den oder dem, das mit oder ohne Doppel-s, Deklination, also der Blogger, des Bloggers und Konjugation, also ich blogge, du bloggst oder einfach ein Fremdwort, das nicht umsonst Fremdwort heißt. Darum geht´s.
Früher musste ich Duden wälzen, nachschlagen, Seiten blättern, heute frage ich einfach das Internet, wenn ich unsicher bin. Das ist nicht schwer, kostet nur Sekunden und bewahrt einen im besten Fall vor dem gefürchteten Deppen-Apostroph und einer Schar innerlich grinsender Leser, die es besser wissen.

Ich weiß, es klingt in Zeiten von Anglizismen und vorherrschender Jugendsprache irgendwie seltsam, doch Menschen, die der deutschen Sprache durchaus mächtig sind, bevorzugen instinktiv gut geschriebene Texte. Oder sagen wir richtig geschriebene Texte.
Ein potentieller Arbeitgeber wird eine Bewerbung immer auch anhand deines Anschreibens beurteilen. Ein Unternehmen, das an einer Kooperation interessiert ist, wird deine Beiträge auch im Hinblick auf Rechtschreibung beurteilen, um herauszufinden, ob du wirklich was im Kopf hast. Was ich damit sagen will?

Lest einfach einmal mehr eure Beiträge durch. Fehler sind dazu da, aus ihnen zu lernen, nicht sie ständig wieder zu machen. Hat man Zweifel, hilft schon eine Rechtschreibprüfung, ansonsten gibt´s den Duden online. Ich weiß selbst, dass unser kantiges, etwas raues Deutsch nicht nur Nicht-Muttersprachler verwirrt, doch wenn ich mein Geschreibsel schon öffentlich mache, dann wenigstens glatt gezogen und gesellschaftsfähig. Ihr zieht euch doch auch ordentlich an, bevor ihr vor die Tür geht und tragt keine Unterhose auf dem Kopf, oder?

Ich bin nicht perfekt, das muss auch keiner sein, denn wir können nicht jedes Wort kennen und auch unsere Augen nicht überall haben. Es ist alles gut und im grünen Bereich, solange wir keine Sechs auf unsere Blogger-Aufsätze einstreichen, wenn uns unser ehemaliger Deutschlehrer mal einen Besuch auf dem Blog abstattet. Ein wenig Freiheit sei erlaubt, doch meine Posts sprechen nicht nur für mich, sie sprechen auch für sich.

Wie ist das bei euch, lest ihr über Fehler hinweg oder schüttelt ihr den Kopf darüber. Ist mein Beitrag eher Yay or Nay? Übertreibe ich vielleicht?

Liebst
Eure Kali

Kommentare:

  1. Uhh...da würde mich mal interessieren, welche Blogs du da meinst. Bisher, habe ich nämlich ganz brauchbare Texte gelesen. Und ich muss gestehen: ich hab zum Beispiel eine ausgeprägte Kommaschwäche, das kann ich auch nicht immer verbergen und auch nach Prüfung fällt es mir der ein oder andere Fehler nicht auf. Deshalb aufhören zu bloggen? Never. Aber ich rede ja von kleinen Fehlern. Das Gute am Bloggen ist ja, dass wir keine Journalisten im herkömmlichen Sinne sind. Authentizität zeichnet sich ja auch aus, wenn etwas nicht perfekt und 100% Korrekt ist. :)

    Liebst,

    Madlén von www.madlenboheme.com

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    1. Liebe Madlén,
      danke für dein tolles Kommentar :)
      Ich finde, ein gut geschriebener Text lebt auch mit kleinen Fehlerchen gut. Ich lege viel Wert einen runden Text (den ich bei dir immer finde), der ehrlich und lebendig ist. Einen mittelmäßigen Blogpost reißt allerdings auch die beste Orthographie nicht mehr hoch...
      Ich hab schon schlimme Dinge gesehen, doch man muss wohl das große Ganze sehen. Rechtschreibung ist nur eine Facette des Steins
      Liebst
      Kali :*

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  2. Ich weiß sehr gut was du meinst... Auch bei mir schleichen sich hin und wieder Fehler ein, mal ist ein Buchstabe zu viel, mal kann man meine Kommasetzung vergessen, weil ich einfach gerne so schreibe wie ich denke und mit einer Freundin reden würde. Ich will mich deswegen lieber gar nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber hin und wieder muss ich zum Beispiel auch bei Instagram den Kopf schütteln. In einer zweizeiligen Caption mehrere Fehler - das fällt schon auf und ließe sich doch so schnell ändern...
    Liebe Grüße,
    Julie von http://juliesdresscode.de

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Liebst
eure Kali P.